Großes Interesse an Austausch über Zukunft der Chormusik in Hamm

CDU-Arbeitskreis Kultur diskutierte mit Vertretern heimischer Chöre

„Situation und Zukunft der Chormusik und Gesangsgruppen in Hamm“ war jetzt das Thema einer Podiumsdiskussion im Pfarrheim „Liebfrauen“ in Hamm-Süden. Auf Einladung des CDU-Arbeitskreises „Kultur“ trafen sich dazu rund 50 Hammer Chorleiter und -Vorstände weltlicher und religiöser Ausrichtungen. „Mit einem so großen Interesse habe ich nicht gerechnet“, freute sich Monika Schnieders-Pförtzsch als Arbeitskreisleiterin, zu einem offensichtlich brennenden Thema geladen zu haben.
Der Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Hamm, Arnd Hilwig, verwies bei seinen Grußworten auf ein Zitat von Martin Luther: „Musik ist eine Gabe Gottes! Sie vertreibt den Teufel und macht die Leute fröhlich!“ Er betonte, dass das Singen nicht nur Freude macht, sondern ein Grundbedürfnis der Menschen sei. Wissenschaftlich bewiesen sei zudem die intelligenz-, gesellschafts- und gesundheitsfördernde Auswirkung des gemeinsamen Musizierens. „Ihre Darbietungen bei Konzerten, religiösen Handlungen und Festlichkeiten bereichern das kulturelle und gesellschaftliche Leben. Dafür, nehmen Sie viele Proben auf sich“, sagte Hilwig und dankte den Anwesenden, „die mit großem Engagement dafür arbeiten, vielfältige Chormusik in Hamm zu erhalten.“
Mit der Vorführung des Kurzfilms „Musik verbindet“ eröffnete Dekanatskirchenmusiker Johannes Krutmann die Podiumsdiskussion und gab Einblicke in die Chorarbeit mit den verschiedenen Altersgruppen!“
Werner Granz (Cantate 86) und Kreiskantor Heiko Ittig (ev. Kirchenkreis Hamm) machten deutlich, dass die Zukunft der Chöre nicht generell schlecht sei. Allerdings befinde sich die Chorlandschaft in einem Umbruch. Einige Gemeinschaften seien wegen des hohen Alters der Sängerinnen und Sänger am Rande der Singfähigkeit. Das habe Fusionen notwendig gemacht. Einige Gemeinschaften hätten sich sogar auflösen müssen. Auch die Literaturauswahl sei zu überdenken. Man müsse einfach feststellen, dass bestimmte Formate nicht mehr attraktiv seien. Bei der Arbeit mit Kindern seien Defizite der frühkindlichen Musikerziehung sowohl im Elternhaus als auch bei den Kindertageseinrichtungen und Schulen festzustellen. Auch die lange tägliche Bindung an den Schulbetrieb (OGS) erschwere die Kinderchormusik.
Markus Wolfslau (Sängerkreis Hamm u. Chorverband NRW) machte darauf aufmerksam, dass von einem altersbedingten Chorsterben durchaus gesprochen werden könne. „Mit diesen Chören stirbt dann auch ein Teil unserer Kultur“, unterstrich er seine Aussage. Er machte weiterhin auf ansteigende Belastungen der ehrenamtlichen Vorstände durch überbordende Bürokratie aufmerksam: GEMA-Gebühren, Veranstaltungsgenehmigungen und Datenschutz erschwere die Besetzung von Führungspositionen, sodass Politik gefordert sei, hier gegenzusteuern.
Frau Ella Wiebe (Volkschor, „Melodie“) erklärte, dass ihr Gesangverein neben der deutschen und russischen Volksmusik auf Vielfältigkeit des Angebotes setze. Es gäbe daher den Chor „Melodie“ und zusätzlich eine Schlager-, eine Tanzgruppe und ein interkulturelles Projekt. Die ständige Nutzung der sozialen Medien und das daraus resultierende veränderte Freizeitverhalten im Besonderen sieht sie als schwerwiegendes „Mitmachhemmnis“.
Mehr als die Hälfte der Teilnehmer beteiligten sich aktiv an der anschließenden Diskussion. Dabei nahm die musikalische Früherziehung als Voraussetzung für Nachwuchs breiten Raum ein. Zwischen drei und sieben Jahren sei für Kinder das geeignetste Alter für die Heranführung an die Musik. Eine Nachbesserung der Ausbildungsinhalte für Erzieherinnen/Erzieher sei dringend erforderlich.
Die musikalische Ausbildung in den Schulen sei ebenfalls verbesserungswürdig. Hier wurde der Mangel an ausgebildeten Lehrpersonen beklagt. Auch müsse der Unterricht pädagogisch eine Veränderung erfahren. Es sollte immer die Freude am Musizieren im Vordergrund stehen und weniger die geschichtlichen Zusammenhänge oder die Notenkunde.
Im Rahmen der Diskussion wurde aber auch deutlich, dass die Kinder- und Jugendarbeit der Chöre u. Gesangsgemeinschaften unzureichend sei, sodass eigener Nachwuchs ausbliebe.
Chancen, wieder mehr Menschen zum Singen zu bringen, sehen einige Teilnehmer in der projektbezogenen Arbeit. Während langfristige Bindungen gemieden würden, sei die Bereitschaft zeitlich befristet bei modernen Projekten mitzusingen, durchaus vorhanden. Und wer bei der Projektarbeit eine sympathische Chorgemeinschaft kennenlernt, bliebe dabei. Das Wohlfühlen in der Gemeinschaft scheint ohnehin bester Garant für ein lebendiges Chorleben zu sein, waren sich die Anwesenden einig.
„Bei der Literaturauswahl müssen wir Chöre uns viel stärker an den Hörgewohnheiten der Bevölkerung orientieren“, war eine weitere geäußerte Meinung.
Wer Sängerinnen und Sänger mittleren Alters gewinnen wolle, müsse auch über ein Betreuungsangebot für deren Kinder nachdenken. Das gemeinsame, gegenseitige Helfen und Unterstützen sei bedeutendes Element für die Chorgemeinschaft und stelle zugleich einen großen gesellschaftlichen Wert dar.
Auch „Probierproben“ zum Kennenlernen des jeweiligen Chores und dessen Repertoire seien hilfreich, um neue Sänger zu gewinnen. Vorgeschlagen wurde dazu ein stadtweiter „Chortag“, wie es ihn in anderen Städten bereits erfolgreich gibt, bei dem sich die Chöre einem breiten Publikum und potentiellen Sängerinnen und Sängern vorstellen und präsentiert können.
Einig waren sich die Teilnehmer, dass die Chorarbeit insgesamt mehr gesellschaftliche Wertschätzung verdiene.
„Dass wir mehr als Zweieinhalbstunden diskutiert haben, zeigt, wie groß der Bedarf an einem Austausch über die Zukunft der Chormusik in Hamm ist“, betonte die Stellvertretenden Kulturausschussvorsitzende Monika Schnieders-Pförtzsch am Ende der Versammlung. Eine Fortsetzung wurde von Teilnehmern gewünscht.