Die CDU Hamm trauert um Günter Beaugrand

Christliche Werte trieben ihn zeitlebens an

Der weit über die Stadtgrenzen von Hamm hinaus bekannte und beliebte Hammer Journalist und Buchautor Günter Beaugrand ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit. „Günter Beaugrand war seit 70 Jahren Mitglied der CDU und zählte zu den bekannten starken Persönlichkeiten in der CDU Hamm. Er hat die christlichen Werte, die ihm zeitlebens ein Antrieb gewesen sind, immer wieder betont und in die Arbeit unserer Partei mit eingebracht“, erklärte Arnd Hilwig als Kreisvorsitzender der CDU Hamm in einer ersten Stellungnahme. Persönlich habe den Verstorbenen eine enge Freundschaft zum Ehrenvorsitzenden der CDU Hamm, Professor Dr. Günter Rinsche, verbunden. Ausdruck dieser Verbindung sei das Buch „Günter Rinsche – Porträt eines deutschen Europäers“ gewesen, das Günter Beaugrand selbst geschrieben und herausgegeben habe. „Über diese persönliche Freundschaft hinaus stand der Verstorbene in einer engen Beziehung zur Konrad-Adenauer-Stiftung. Die politische Bildung war Günter Beaugrand zeitlebens eine Herzensangelegenheit. Die schlimmen Erfahrungen aus der Zeit der NS-Diktatur haben ihn tief geprägt. Deshalb hat er diese Zeit gerade bei jungen Menschen immer wieder zum Thema gemacht.“

In Düsseldorf geboren begann Beaugrand seinen journalistischen Weg als Redakteur der vor allem von christlich-demokratischen Widerstandskämpfern und Verfolgten des Naziregimes herausgegebenen politischen Wochenzeitung „Das freie Wort“ und dem mit ihr verbundenen Verbandsorgan der Europa-Union „Freies Europa“ (1950 – 1953).
Als Journalist bei der „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes“ (VVN) berichtete er als einer der ersten über die Aktivitäten von engagierten Bürgerinnen und Bürgern für eine Entschädigung und Anerkennung besonders von politischen Verfolgten des Naziregimes.
Nach weiteren Stationen bei Tageszeitungen und Pressestellen gestaltete er ab 1957 die katholische Funk- und Filmillustrierte „Funk-Kalender“ in Hamm sowie ab 1962 als Chefredakteur die katholische Illustrierte „Feuerreiter“ in Köln und als stellv. Chefredakteur die Funkillustrierte „Gong“ in Nürnberg. Von 1969 bis 1994 war er Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung „Liboriusblatt“ in Hamm und ab 1982 auch des „Bayerischen Sonntagsblattes“, München.
Günter Beaugrand schrieb zahlreiche Bücher zu Jugendfragen und zur Medienpädagogik, gab mehrere Anthologien heraus und veröffentlichte 1989 ein Lebensbild des KAB-Widerstandskämpfers Nikolaus Groß. 1996 erschien die Biographie „Kardinal von Galen – Der Löwe von Münster“, 1997 der Bildband „St. Liborius – Schutzpatron im Strom der Zeit“. 1995 war er im Auftrag der CDU Hamm Mitherausgeber des Buches „CDU Hamm 1945 – 1995“. 1998 folgte die Herausgabe der Biographie über den früheren Hammer Oberbürgermeister unter dem Titel „Günter Rinsche – Porträt eines deutschen Europäers“. Dieses Buch wiederum überzeugte den damaligen Vorsitzenden der Konrad-Adenauer-Stiftung Bernhard Vogel, der Beaugrand beauftragte, die bisher einzige umfassende Dokumentation der Stiftung von ihren Anfängen bis in die Gegenwart herauszugeben. Der gut 300 Seiten starke Band erschien im Jahr 2003.
Sein Wissen über die von Opfern oftmals als Schikane empfundenen bürokratischen Hürden der staatlichen Wiedergutmachungspolitik stellte Beaugrand dem Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster für die Dauerausstellung „Wiedergutmachung als Auftrag“ zur Verfügung. Sein Erfahrungsbericht „Zwischen Widerstand und Wiedergutmachung“ erschien anlässlich seines 90. Geburtstages als Neuauflage. Es bietet interessante Einblicke in die spannungsgeladene Geschichte der NS-Verfolgten in den Anfangsjahren der Bundesrepublik. Weitere von Günter Beaugrand herausgegebene Bücher sind „Richtung 2000 – Projekte und Perspektiven. 75 Jahre Landesjugendamt Westfalen-Lippe“ sowie „Kloster Paradiese – Vom Dominikanerinnenkloster zum Medizinischen Zentrum“.
Vielen Hammern bekannt war der Verstorbene auch durch das VHS-Kino Hamm. Beaugrand war über Jahrzehnte Hauptverantwortlicher für die Auswahl und die Einführung der wöchentlich gezeigten filmkünstlerisch anspruchsvollen Spielfilme.
Unvergessen sind auch seine Beiträge für die Westfälischen Heimatblätter, die er seit 1984 gestaltete und die jedes Jahr im Jahrbuch „Unser Westfalen“ erschienen.
Als Zeitzeuge, Redakteur und Autor war Beaugrand viel gefragter Redner bei Jubiläen und Festveranstaltungen sowie als Referent zum Beispiel vor Schulklassen.
Für seine vielfältige journalistische und publizistische Arbeit im Dienste der Demokratie und der Menschen wurde Beaugrand 2007 mit dem Wappenteller der Stadt Hamm geehrt und 2014 vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.
Mit Günter Beaugrand verlieren Hamm und die CDU eine ihrer größten Persönlichkeiten, die in den verschiedenen gesellschaftlichen Kreisen allergrößte Wertschätzung erfuhr.